Schlagwort: Schreiben bei Widerfahrnissen

Bei Widerfahrnissen: SOS-Schreiben

Schreiben hilft, mit Widerfahrnissen umzugehen, erleichtert die Bearbeitung und das Loslassen von Belastendem.

Hier ein Hinweis aus der Schreibpraxis:

Bei Widerfahrnissen SOS-Schreiben.
SOS-Schreiben ist eine Variante des Skrupellosen Schreibens, bei dem Rechtschreibregeln, Satzbau, Zeichensetzung etc., also alles, was den Schreibfluss subjektiv behindern kann, über Bord geworfen wird.
Beim SOS-Schreiben geht es nur um eins: raus damit. Schnell, direkt, und eben: skrupellos. Es geht um den Prozess, nicht ums Produkt, das in diesem Fall sowieso niemand zu Gesicht bekommt. Idealerweise liest nicht einmal die Schreibende sich selber hinterher.

Diese Art des Schreibens dient ausschließlich der Selbstfürsorge, in diesem Fall: wenn etwas Überraschendes, vielleicht auch Überwältigendes, jedenfalls aber Unerwartetes und, eben, etwas Entgegenstehendes, passiert ist.

Ein Widerfahrnis.

So nannte Thomas Mann den Auslöser für eine Geschichte: der Heldin, dem Helden, widerfährt etwas, das ihn vom Kurs abbringt, zum Handeln zwingt, und so die Geschichte ins Rollen bringt.

Wir könnten es also auch so sehen: das Widerfahrnis, das wir SOS-schreibend bewältigen, bearbeiten jedenfalls, ist potentiell der Anfang einer Geschichte, einer HeldInnenreise…

SOS-Schreiben: schnell, skrupellos, alles aufs Papier, was im Kopf und Herzen ist. Von der Seele schreiben, aber nicht schön-schreiben, sondern authentisch, direkt, roh, ungefiltert. SOS-Schreiben hat Ähnlichkeit mit der Methode des Automatischen Schreibens nach Andre Breton.
Beim SOS-Schreiben geht es um den Prozess, nicht das Produkt. SOS-Schreiben ist ein Verfahren der Selbstfürsorge, eine Selbst-Technik. Daher gerne analog, Stift auf Papier, Bewegung in der Hand, Schriftbild als Selbst-Ausdruck. Aber wenn Stift und Papier nicht zur Verfügung stehen, geht die digitale Tastatur auch… .